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RWE, Bundesregierung und NRW vereinbaren Kohleausstieg im Jahr 2030

Berlin, Essen - RWE will den Ausstieg aus der Braunkohle im Rheinischen Revier auf 2030 vorziehen. Der frühere Kohleausstieg soll maßgeblich zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele beitragen. Aufgrund der aktuellen Energiekrise sollen zwei RWE-Kraftwerksblöcke, die eigentlich Ende 2022 abgeschaltet werden sollten, allerdings länger als geplant am Netz bleiben.

Der Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier kommt acht Jahre früher als bislang geplant. Darauf haben sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), das Landesministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und die Essener RWE AG verständigt. Zugleich vereinbarten die Parteien zur Stärkung der Versorgungssicherheit und um Gas aus der Stromproduktion zu verdrängen, zwei RWE-Kraftwerksblöcke, die Ende 2022 eigentlich abgeschaltet werden sollten, bis zum 31. März 2024 am Netz zu lassen.

Früherer Kohleausstieg soll 280 Mio. Tonnen CO2 einsparen
RWE will die Braunkohleverstromung statt wie ursprünglich vorgesehen im Jahr 2038 schon im Jahr 2030 beenden. Diese Entscheidung ist Bestandteil einer Vereinbarung des Energiekonzerns mit dem zuständigen BMWK und dem Wirtschafts- und Klimaschutzministerium des Landes NRW, die heute (04.10.2022) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde. Zusätzliche Kompensationen für RWE sind mit der Entscheidung nicht verbunden. RWE bekräftigte zugleich die Pläne, massiv in die Energiewende zu investieren.

Durch das Vorziehen des Braunkohleausstiegs um acht Jahre könnten CO2-Emissionen in einer Größenordnung von rund 280 Millionen Tonnen vermieden werden. RWE will somit einen maßgeblichen Beitrag dafür leisten, dass Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen kann.

Temporär höherer Kraftwerkseinsatz soll Deutschland in der Energiekrise helfen
Um mit Blick auf die aktuelle Energiekrise die verfügbare konventionelle Kraftwerkskapazität in Deutschland nicht weiter zu reduzieren, soll die eigentlich zum Ende des Jahres 2022 anstehende Außerbetriebnahme der beiden Kraftwerksblöcke Neurath D und E mit einer Leistung von 1.200 MW temporär ausgesetzt werden. Vorgesehen ist nunmehr, dass die beiden Blöcke bis zum 31. März 2024 im Markt verbleiben. Der Bund erhält zudem die Möglichkeit, bis Ende 2023 über eine Verlängerung oder die Überführung in eine Kraftwerksreserve zu entscheiden. Beides wäre bis zum 31. März 2025 befristet.

Um eine sichere Stromversorgung in jedem Fall auch nach 2030 zu gewährleisten, kann die Bundesregierung bis spätestens 2026 entscheiden, ob die letzten Kraftwerke noch bis Ende 2033 in eine Sicherheitsbereitschaft überführt werden. Dazu zählen ein 600 MW-Block sowie die drei BoA-Anlagen Niederaußem K und Neurath F und Neurath G mit jeweils 1.000 MW Leistung. Insgesamt stünden damit rund 3.600 Megawatt Leistung für die Sicherheitsbereitschaft zur Verfügung.

Vorgezogener Kohleausstieg erfordert massiven Ausbau von Wind, Solar und Co.
Damit der Kohleausstieg möglich wird, müsse die Energiewende 2030 so weit fortgeschritten sein, dass die Versorgungssicherheit Deutschlands nicht gefährdet ist. Dafür braucht es einen massiven Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen, Speichern sowie zusätzlicher gesicherter Leistung in Form von modernen Gaskraftwerken, die perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden können, so RWE.

RWE hatte im November 2021 angekündigt, im Rahmen seiner „Growing Green“-Strategie bis 2030 global mehr als 50 Milliarden Euro brutto in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren zu wollen. Davon sind 15 Mrd. Euro für Deutschland vorgesehen. In NRW hat RWE ein Maßnahmenpaket gestartet, dessen Ziel es ist, regenerative Energiekapazitäten mit einer Leistung von 1.000 MW zu errichten. Mit seinen ehemaligen Tagebauflächen bildet das Rheinische Revier dabei einen Schwerpunkt. Am Ausbau für moderne H2-ready Gaskraftwerke will sich RWE mit rund 3.000 MW Kraftwerkskapazität beteiligen. Dafür sieht das Unternehmen insbesondere bisherige Standorte von Kohlekraftwerken in NRW vor.

Auswirkungen des Kohleausstiegs auf das rheinische Braunkohlenrevier
Mit dem Vorziehen des Kohleausstiegs auf 2030 wird die Kohlemenge aus Garzweiler etwa halbiert, so dass im Tagebau Garzweiler der dritte Umsiedlungsabschnitt mit den Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath inklusive der drei Holzweiler Höfe (Eggeratherhof, Roitzerhof, Weyerhof) erhalten bleibt. Die Kohle unter der früheren Siedlung Lützerath im unmittelbaren Vorfeld des Tagebaus benötigt RWE hingegen, d.h. der Ort muss weichen. Die erforderlichen Genehmigungen und gerichtlichen Entscheidungen hierfür liegen vor und alle ursprünglichen Einwohner haben den Ort bereits verlassen, so RWE.


© IWR, 2022


04.10.2022

 



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