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Stimmen zum EEG-Referentenentwurf Teil 2: Reaktionen der Unternehmen

Berlin - Heute (23.09.2020) wird das Bundeskabinett voraussichtlich die EEG-Novelle 2021 beschließen. Neben den Verbänden kritisieren auch etliche Unternehmen aus der Energiewirtschaft den vom BMWi vorgelegten Entwurf in zahlreichen Punkten als unzureichend.

Der vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in der vergangenen Woche (14.09.20) vorgelegte Entwurf für die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2021) ist bei Energie- und Wirtschaftsverbänden auf breite Kritik gestoßen. Auch die Unternehmen sehen noch viel ungenutztes Potenzial, um die Klimaschutz- und EE-Ausbauziele zu erreichen.

Greenpeace Energy warnt vor Verfehlung der Erneuerbaren- und Klimaziele
Nach der Analyse von Greenpeace Energy bleibt die Regierung in ihrem EEG-Entwurf nicht nur weit hinter den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen zurück, sondern reißt auch ihr eigenes Ziel von 65 Prozent Ökostrom-Anteil bis 2030. Der Ökoenergieanbieter fordert in seiner EEG-Stellungnahme eine deutliche Anhebung der Zubau-Mengen für neue Ökostrom-Anlagen mit dem Ziel, bis 2030 mindestens 75 Prozent an erneuerbarer Stromerzeugung zu erreichen. Greenpeace Energy kritisiert zudem, dass in dem EEG-Entwurf der Strombedarf unberücksichtigt ist, der mit dem vom Bund angestrebten Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft einhergeht. Des Weiteren schränkt der EEG-Entwurf aus Sicht des Ökoenergieanbieters die Akteursvielfalt beim EE-Ausbau weiter ein.

LichtBlick plädiert für Abschaffung der Ökostrom-Umlage
Der Ökostrom- und -wärme Anbieter LichtBlick fordert für das EEG 2021 die Abschaffung der EEG-Umlage. Im weiteren Gesetzgebungsverfahren soll der Bundestag daher das Tor für eine vollständige Finanzierung der EEG-Kosten aus den CO?-Einnahmen des Bundes aufstoßen. „Die Abschaffung der EEG-Umlage hat drei große Vorteile: Erstens sinken die Strompreise deutlich – das ist im Sinne aller Verbraucher. Zweitens wird der Einsatz von grünem Strom für Mobilität und Wärme attraktiver – das ist ein Gewinn für den Klimaschutz. Und drittens wird das Bürokratiemonster EEG entschlackt – das steigert die Effizienz der Energiewende“, so Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator für Klima- und Energiepolitik bei LichtBlick.

Naturstrom setzt auf mehr Verantwortung für Energiewende-Akteure - Alpiq-Studie zu EEG-Altanlagen
Der Vorstandsvorsitzende der Naturstrom AG, Dr. Thomas E. Banning, zeigt sich insgesamt enttäuscht von dem bisherigen Entwurf und sieht deutlichen Nachbesserungsbedarf. „Vor kurzem hat Herr Altmaier noch eine große Klimaschutz-Charta vorgeschlagen. Und kurz darauf veröffentlicht er einen EEG-Entwurf, der die Erneuerbaren an die Kandare legt, statt den Energiewende-Akteuren mehr zuzutrauen“, so Banning.

Eine erhebliche Leerstelle sieht Naturstrom auch in der fehlenden Regelung für den Weiterbetrieb von Wind- und Solaranlagen, deren EEG-Vergütung ausläuft. Anstatt des nötigen deutlichen Ausbaus, droht der Energiewende in den kommenden Jahren daher aktuelle sogar ein Rückbau an Windenergie-Leistung. Das zeigt auch eine aktuelle Studie des Analyseunternehmen Nefino im Auftrag von Alpiq, die belegt, dass bis zum Jahr 2025 etwa ein Viertel aller deutschen Windenergieanlagen eine neue Vermarktungsform für den erzeugten Strom benötigt und anderenfalls stillgelegt werden müsste. „Um den Betreiberinnen und Betreibern hier kurzfristig eine Perspektive zu bieten, plädieren wir für eine niedrige, befristete Auffanglösung, so Banning weiter.

Eon fordert mehr Mut bei Solarstrom in Deutschland
„Wenn wir die ambitionierten Klimaziele auf EU-Ebene und auch in Deutschland erreichen wollen, muss die Energiewende endlich in die Stadt einziehen. Photovoltaik auf Mehrfamilien- und Mietshäusern sowie auf Gewerbe- und Industrieflächen bietet ein enormes Potenzial. Die aktuelle Überarbeitung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes muss mehr Rückenwind für Photovoltaik und nicht neue Bürokratie und Ausschreibungsformate schaffen.

Darüber hinaus braucht es eine Regelung, die den Weiterbetrieb von PV-Anlagen, die aus der Förderung fallen, im Sinne der Kunden ermöglicht.“ Mit diesen Worten fordert Karsten Wildberger, im Vorstand der Eon SE zuständig für das Kundenlösungsgeschäft, mutige Schritte bei der anstehenden Novellierung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes.


© IWR, 2020


23.09.2020

 



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