Redispatchvorbehalt im Netzanschlusspaket: EnBW und EWE kritisieren Bremswirkung und setzen auf flexible Netzanschlussverträge
EnBW und EWE haben mit dem Konzept der flexiblen Netzanschlussverträge einen konzeptionellen Gegenentwurf in die laufende Debatte über das Netzanschlusspaket vorgelegt. Ziel ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien auch bei begrenzten Netzkapazitäten fortzuführen, Redispatch-Bedarfe zu reduzieren und die Netzstabilität zu sichern.
EnBW und EWE stellen FCA-Konzept als Alternative zum Redispatchvorbehalt vor
Die Energieunternehmen EnBW Energie Baden-Württemberg AG und EWE AG begrüßen die grundsätzliche Zielsetzung der Bundesregierung, Netzausbau und Ausbau der Erneuerbaren besser zu synchronisieren. Den im Netzanschlusspaket vorgesehenen Redispatchvorbehalt bewerten sie jedoch kritisch. Die Regelung würde Netzbetreibern bei Engpässen weitergehende Eingriffsmöglichkeiten beim Anschluss von EE-Anlagen einräumen. Aus Sicht von EnBW und EWE birgt dieser Ansatz jedoch die Gefahr, den Ausbau erneuerbarer Energien auszubremsen.
Mit dem gemeinsamen Konzept für sogenannte Flexible Connection Agreements (FCA) haben EnBW und EWE ein Alternativmodell vorgelegt. Darin sind standardisierte, flexible Netzanschlussverträge vorgesehen, die als pragmatische Übergangslösung dienen sollen, wenn Stromnetze an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Statt Anschlussrestriktionen oder Verzögerungen sollen Erzeuger und Netzbetreiber über flexible Bedingungen miteinander vertraglich eingebunden werden. Ziel ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien trotz bestehender Netzengpässe fortzuführen und gleichzeitig die Systemstabilität zu gewährleisten.
Das FCA-Modell setzt dabei auf mehr Transparenz über tatsächlich limitierte Netzbetriebsmittel, ohne pauschal kapazitätslimitierte Netzgebiete auszuweisen. Der Anschlussvorrang für erneuerbare Energien bleibt ausdrücklich bestehen. Ein vollständiger Verzicht auf Redispatch-Entschädigungen ist nicht vorgesehen, jedoch soll eine effizientere Steuerung die Systemkosten senken und perspektivisch auch Verbraucher entlasten.
EnBW-Vorstandsvorsitzender Georg Stamatelopoulos betont: „Mit unserem Vorschlag für flexible Netzanschlussverträge schaffen wir eine ausgewogene Lösung, die sowohl den Ausbau der Erneuerbaren Energien als auch die Anforderungen an eine sichere Netzinfrastruktur berücksichtigt.“ Das Modell soll dabei helfen, Engpässe im Stromnetz kurzfristig zu überbrücken, ohne langfristige Investitionsentscheidungen zu blockieren.
Auch EWE sieht in dem Ansatz einen strukturellen Fortschritt. Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler erklärt: „Wir müssen Netze und Erneuerbare als Einheit denken und innovative Lösungen schaffen. Unser gemeinsames FCA-Konzept bietet einen pragmatischen Weg, um bestehende Engpässe zu überwinden und gleichzeitig Investitionssicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.“
Kontroverse um Redispatchvorbehalt und politische Einordnung
Während die Bundesregierung mit dem Netzanschlusspaket mehr Transparenz und Steuerbarkeit im Umgang mit Netzengpässen schaffen will, kritisieren EnBW und EWE vor allem die mögliche Einschränkung von Einspeiserechten durch den geplanten Redispatchvorbehalt. Dieser könnte es Netzbetreibern erlauben, EE-Anlagen bei Überlastungen stärker zu begrenzen und Vergütungsansprüche zeitweise zu reduzieren.
Aus Sicht der Unternehmen würde dies die Planbarkeit von Projekten im Bereich erneuerbarer Energien verschlechtern und Finanzierungsbedingungen erschweren. Gerade für kapitalintensive EE-Investitionen seien verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend.
Mit ihrem Vorschlag wollen EnBW und EWE die aktuelle Debatte um Netzanschlussregeln stärker auf Umsetzbarkeit und Investitionssicherheit ausrichten. Das FCA-Konzept ist als Angebot für Neuanschlüsse konzipiert und soll insbesondere dort greifen, wo Netzausbau und EE-Zubau zeitlich auseinanderfallen.
Die Unternehmen positionieren sich damit in einer energiepolitischen Debatte, die im Spannungsfeld zwischen den Zielen eines beschleunigten Ausbaus erneuerbarer Energien und begrenzten Netzkapazitäten steht. Während das Bundeswirtschaftsministerium den Ausbau regulatorischer Steuerungsmechanismen vorsieht, setzen EnBW und EWE auf flexible Vertragsmodelle als kurzfristige Brücke im Transformationsprozess des Stromsystems.
© IWR, 2026
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