Trotz rückläufigem PPA-Markt: Energiekontor, EHA und dm schließen 10-jährigen Solarstromvertrag für PV-Park in Bayern

Bremen – Der deutsche Markt für langfristige Ökostrom-Lieferverträge (PPA) ist 2024 und 2025 nach dem Rekordjahr 2023 zwei Jahre in Folge geschrumpft, besonders bei Solarprojekten. In diesem Marktumfeld haben Energiekontor, der Energiedienstleister EHA und die Drogeriemarktkette dm nun eine zehnjährige Lieferbeziehung für einen neuen Solarpark ohne EEG-Vergütung vereinbart.
Am 22. Juli 2026 unterzeichneten die drei Partner einen Stromabnahmevertrag für den geplanten Solarpark Kolitzheim-Herlheim in Bayern. Energiekontor verfolgt nach eigenen Angaben mit einer Projektpipeline von rund 11,2 Gigawatt eine Strategie, Wind- und Solarparks zunehmend unabhängig von der EEG-Vergütung zu realisieren; EHA bindet die erzeugten Strommengen in das Versorgungsportfolio von dm ein.
Solarpark Kolitzheim-Herlheim: Projektdaten
Der Solarpark entsteht in der Gemeinde Kolitzheim im Landkreis Schweinfurt und soll über eine installierte Leistung von rund elf Megawattpeak verfügen. Die Inbetriebnahme ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen, der erwartete durchschnittliche Jahresertrag liegt bei mehr als 13 Gigawattstunden. Nach Angaben der Projektpartner lassen sich damit jährlich rund 9.000 Tonnen CO? einsparen. Auf den Flächen ist zusätzlich eine extensive Beweidung durch Schafe vorgesehen. Energiekontor verantwortet Entwicklung und Bau des Solarparks; EHA übernimmt die energiewirtschaftliche Strukturierung des physischen PPA einschließlich Bilanzkreismanagement.
Rollenverteilung: REWE-Tochter EHA als Bindeglied
Die 1998 gegründete EHA Energie-Handels-Gesellschaft mit Sitz in Hamburg ist eine Tochtergesellschaft der REWE Group und deren zentraler Energiedienstleister. Das Unternehmen beschafft für filialisierte Kunden aus Handel, Hotellerie, Logistik und Telekommunikation Strom und Gas und integriert dabei auch PPA-Strommengen in deren Versorgungsportfolios. Im vorliegenden Fall sorgt EHA dafür, dass der Solarstrom aus Kolitzheim-Herlheim passgenau in die Stromversorgung der dm-Märkte eingebunden wird.
„Der Abschluss dieses PPAs zeigt, dass hochwertige Solarprojekte in Deutschland auch ohne staatliche Förderung wirtschaftlich realisiert werden können", sagt Peter Szabo, Vorstandsvorsitzender der Energiekontor AG. Jan-Oliver Heidrich, Geschäftsführer der EHA, verweist auf das anspruchsvolle Marktumfeld: „Gerade in einem aktuell anspruchsvollen Marktumfeld zeigen wir mit diesem Projekt, dass man mit verlässlichen Partnern und einem klaren Blick auf das Machbare konkrete Fortschritte erzielen kann." Für dm ist der Vertrag Teil der eigenen Klimastrategie: „Die langfristige Sicherung von Grünstrom aus zusätzlichen erneuerbaren Erzeugungskapazitäten ist ein wesentlicher Bestandteil unserer zukunftsfähigen Unternehmensstrategie", so Markus Trojansky, dm-Geschäftsführer für das Ressort Expansion.
PPA-Markt in Deutschland im Rückwärtsgang
Nach einer Analyse der Deutschen Energie-Agentur (dena) wurden 2025 nur noch 27 PPA- und Speicher-Abnahmeverträge mit einer Gesamtleistung von 1,3 Gigawatt abgeschlossen – nach 51 Verträgen mit 2,2 Gigawatt im Jahr 2024 und einem Rekord von 3,8 Gigawatt im Jahr 2023. Damit ist Deutschland im europäischen Vergleich hinter Spanien, Italien und Polen auf Platz vier zurückgefallen. Den stärksten Rückgang verzeichnet die Analyse im Solar-PPA-Segment: sinkende Erlöse durch niedrige Capture Rates – das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Erlös einer Solaranlage und dem durchschnittlichen Strompreis –, zunehmende Stunden mit negativen Strompreisen sowie eine spürbar gesunkene Nachfrage von Unternehmen bremsen den Zubau. Mit Blick auf die weitere Entwicklung ist vor dem Hintergrund der laufenden EEG-Novelle bei den Projekten mit Baubeginn ab 2027 derzeit offen, ob sie auf EEG-Basis oder über PPA finanziert werden.
© IWR, 2026
23.07.2026

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