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Netzstabilität jetzt mit Batteriespeichern: SMA und M.O.E. erzielen praktischen Nachweis für netzbildenden Umrichter

Itzehoe/Niestetal - SMA hat für den Batterie-Wechselrichter Sunny Central Storage UP-S 4600 mit „Full Boost“ eine Prototypenbestätigung für netzbildende Eigenschaften erhalten. Nach Angaben der Zertifizierungsstelle M.O.E. handelt es sich um die branchenweit erste Bestätigung dieser Art auf Grundlage des VDE-FNN-Hinweises 2.1. Damit wurde das neue Nachweisverfahren erstmals vollständig von der messtechnischen Prüfung über die Modellvalidierung bis zur Zertifizierung praktisch umgesetzt.

Die Entwicklung zeigt eine zusätzliche Rolle von Batteriespeichern im Stromsystem. Neben der Speicherung und zeitlichen Verschiebung von Strom zu unterschiedlichen Preisen entwickelt sich die Netzstabilisierung zu einer eigenständigen Kategorie der Speichernutzung. Für die Stabilität der Stromnetze sind die Netzbetreiber verantwortlich. Mit dem Rückgang konventioneller Kraftwerke gewinnen zukünftig netzbildende Umrichter an Bedeutung.

SMA und M.O.E. bringen neues Nachweisverfahren erstmals in die Praxis
Für die Prototypenbestätigung wurde das reale Verhalten des SMA-Umrichters im M.O.E.-Prüflabor messtechnisch untersucht und mit unterschiedlichen Simulationsmodellen abgeglichen. Zum Einsatz kamen unter anderem EMT- und RMS-Modelle. Nach Angaben von M.O.E. machten enge zulässige Abweichungen, unterschiedliche Simulationsverfahren, Messunsicherheiten und dynamische Effekte zusätzliche Untersuchungen erforderlich.

Nach Abschluss der Prüfungen bewertete die M.O.E.-Zertifizierungsstelle die Ergebnisse unabhängig. Für SMA schafft die Prototypenbestätigung die Voraussetzung, die netzbildenden Fähigkeiten des Wechselrichters künftig auch im deutschen Markt für Momentanreserve einzusetzen. Das Unternehmen verweist auf Batteriespeicherprojekte wie Blackhillock in Großbritannien und Föhren in Deutschland, bei denen netzbildende Wechselrichter bereits für Aufgaben der Systemstabilität eingesetzt werden.

VDE FNN: Netzbildende Umrichter können Momentanreserve bereitstellen
Mit dem Rückgang konventioneller Kraftwerke gehen zunehmend große Synchronmaschinen vom Netz, deren rotierende Massen zur Stabilisierung des Stromsystems beitragen. Netzbildende Umrichter können diese Funktion teilweise übernehmen und unter anderem Momentanreserve bereitstellen. Sie wirkt unmittelbar bei einem Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch und begrenzt schnelle Frequenzänderungen. Der VDE-FNN-Hinweis 2.1 definiert dafür die technischen Anforderungen und Nachweise für netzbildende Anlagen.

Seit dem 22. Januar 2026 beschaffen die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Momentanreserve marktgestützt. Nach Angaben der Netzbetreiber besteht derzeit in allen Regionen Deutschlands ein nennenswerter Bedarf. Für entsprechend qualifizierte Batteriespeicher entsteht damit neben dem Stromhandel ein zusätzliches Einsatzfeld.

IWR: Batteriespeicher wirken nicht nur auf Strompreise - zusätzliche Funktion für die Netzstabilität
Für Batteriespeicher sind zwei unterschiedliche Einsatzfelder zu unterscheiden. Bei der klassischen Energiespeicherung steht die Nutzung von Preisunterschieden am Strommarkt im Mittelpunkt: Speicher laden in Zeiten niedriger Strompreise, wenn kostengünstige Stromerzeugung aus Wind und Sonne teurere Kraftwerke, etwa Gaskraftwerke, in der Merit Order verdrängt. Steigen die Strompreise wieder, können sie den gespeicherten Strom ins Netz zurückspeisen. Mit wachsender installierter Speicherleistung und -kapazität können Batteriespeicher damit den Einsatz teurer Kraftwerke reduzieren und die Strompreise in Hochpreisphasen senken.

Die Netzstabilisierung folgt einer anderen Logik. Hier geht es nicht in erster Linie darum, wann gespeicherte Energie wieder verkauft wird, sondern welche technischen Funktionen ein Speicher für das Stromnetz bereitstellen kann. Netzbildende Umrichter ermöglichen es Batteriespeichern, unter anderem Momentanreserve bereitzustellen und damit Aufgaben zu übernehmen, die bislang wesentlich von konventionellen Kraftwerken übernommen wurden.

Adressaten dieser zusätzlichen Speicherfunktion sind insbesondere die Netzbetreiber. Mit der marktgestützten Beschaffung von Momentanreserve haben die Übertragungsnetzbetreiber dafür bereits einen Beschaffungsweg geschaffen. Für Speicherbetreiber entsteht damit neben der Nutzung von Preisunterschieden am Strommarkt ein zusätzliches Einsatzfeld für Systemdienstleistungen. Die erste Prototypenbestätigung für den SMA-Umrichter zeigt, dass die dafür entwickelten technischen Anforderungen nun in die praktische Prüfung und Zertifizierung übergehen.

© IWR, 2026


06.10.2026

 



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