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EU-Finanzierungsausschluss für Wechselrichter aus Hochrisikoländern: S&P-Global-Daten zeigen ausreichende Kapazität westlicher Hersteller

Brüssel – Mit dem geplanten Ausschluss von Wechselrichtern aus Hochrisikoländern aus EU-Finanzierungsinstrumenten rückt die Frage der Versorgungssicherheit auf dem europäischen Solarmarkt in den Fokus. Der Verband European Solar Manufacturing Council (ESMC) verweist dazu auf Marktdaten von S&P Global Energy, wonach westliche Hersteller die Nachfrage bereits heute decken könnten.

Als Hochrisikoländer stuft die EU-Kommission neben China auch Russland, Iran und Nordkorea ein; betroffen sind vor allem chinesische Hersteller wie Huawei und Sungrow, die nach EU-Angaben einen Großteil der in Europa installierten Wechselrichter stellen. Als „westlich" bezeichnet ESMC dabei auch Hersteller aus Ländern wie Israel oder aus dem asiatisch-pazifischen Raum, die geografisch nicht zum „Westen" zählen – der Begriff wird in der Mitteilung nicht trennscharf definiert. Die Kommission hatte den Ausschluss von EU-Finanzierungsinstrumenten wie EIB und EIF im April 2026 beschlossen; über den Umgang mit bereits laufenden Bestandsprojekten soll bis zum 1. November 2026 abschließend entschieden werden. Die Regelung soll sich nicht durch Produktionsverlagerungen oder Tochtergesellschaften in Drittstaaten umgehen lassen und auch für EU-finanzierte Projekte in Nachbarregionen wie Nordafrika oder dem Westbalkan gelten, sofern diese an das europäische Netz angeschlossen sind.

Angebot versus Nachfrage
Zentral ist die Frage, ob genügend Wechselrichter aus nicht-chinesischer Produktion zur Verfügung stehen. Der ESMC verneint eine Angebotslücke und verweist auf eine Analyse von S&P Global Energy: Demnach liegt die europäische Produktionskapazität bei rund 104 GWac, hinzu kommen mehr als 120 GWac aus Nord- und Südamerika sowie dem asiatisch-pazifischen Raum ohne China. Für die europäische Nachfrage allein stünden demnach mehr als 53 GWac zur Verfügung – nahezu die 2025 in der EU installierte Solarkapazität. „Das Angebot ist nicht der Engpass. Die Kapazität, um Hochrisiko-Anbieter zu ersetzen, existiert bereits heute", sagte ESMC-Generalsekretär Christoph Podewils.

Moderate Mehrkosten
Eine von ESMC zitierte Analyse von Wood Mackenzie kommt in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit zu dem Ergebnis, dass der Einsatz eines westlichen statt eines Wechselrichters aus einem Hochrisikoland die Kosten eines Gewerbe- oder Freiflächenprojekts um rund 2 Prozent erhöht, bei Strangwechselrichtern für Wohngebäude um 3 bis 4 Prozent; bei Systemen mit Mikro-Wechselrichtern, Leistungsoptimierern oder Hybrid-Wechselrichtern können es bis zu 8 Prozent sein. Osteuropäische Märkte lägen preislich auf ähnlichem Niveau wie Deutschland oder Spanien – ein struktureller Kostennachteil bestehe demnach nicht.

Marktpräsenz in Osteuropa
Nach Angaben des Verbands sind westliche Wechselrichterhersteller in vielen europäischen Ländern bereits seit Jahren mit eigenen Vertriebs- und Servicestrukturen vor Ort präsent. So weist eine ESMC-Umfrage unter sechs Unternehmen für die Region Osteuropa in acht Ländern eine installierte Leistung von rund 14 Gigawatt sowie rund 330 Vertriebs- und Servicemitarbeiter vor Ort oder im Fernbetrieb aus, teils seit rund 2010; Vertrieb und Service ließen sich laut Umfrage innerhalb von rund sechs Monaten ausbauen. Am stärksten vertreten ist Polen mit 4.430 Megawatt installierter Leistung und rund 74 Mitarbeitenden, wo ein Ausbau bereits binnen drei Monaten möglich sein soll. Es folgen Ungarn (1.831 MW), Tschechien (1.468 MW), Rumänien (1.147 MW), Bulgarien (810 MW) und die Slowakei (364 MW). Der Verband weist darauf hin, dass die Erhebung nur sechs Unternehmen erfasst und die tatsächliche Präsenz westlicher Anbieter in der Region daher höher liegen dürfte. „Der Wechselrichter ist das Gehirn jeder Solaranlage. Wer das Gehirn kontrolliert, kontrolliert das Netz. Die Debatte darüber, ob sich Europa von Anbietern aus Hochrisikoländern lösen kann, ist beendet – die Kapazität ist vorhanden, die Hersteller sind vorhanden, und in Osteuropa sind sie das seit fünfzehn Jahren", so Podewils.

Über den ESMC
Der European Solar Manufacturing Council (ESMC) mit Sitz in Brüssel vertritt Unternehmen und Organisationen der europäischen Photovoltaik-Fertigungsindustrie, darunter auch Wechselrichterhersteller. Er setzt sich auf europäischer Ebene für die Stärkung der PV-Wertschöpfungskette in Europa ein und veröffentlicht regelmäßig Markteinschätzungen zur Rolle europäischer und westlicher Hersteller.

© IWR, 2026


07.07.2026

 



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